Oberhallau 28. / 29. August 2010










Mit dem neuen Auto weiterhin auf der Erfolgsspur

 

Eigentlich weiss ich fast nicht, wo ich anfangen soll. In der Woche zwischen Massongex und Oberhallau musste dermassen viel passieren und erledigt werden, dass ich gar nicht alles aufzählen kann. Wir mussten auf jeden Fall mehrere Nachtschichten schieben, bis wir den neuen Osella nach unseren Wünschen hergerichtet hatten.

 

Bereits am Donnerstagmittag machten wir uns auf den Weg nach Anneau du Rhin zu einem kurzen Test, damit ich mich ein wenig auf das neue Arbeitsgerät einschiessen konnte. Von 17 bis 19.30 Uhr konnte ich dann da ein paar Runden drehen, damit ich mich doch minimal mit dem Osella FA30 verstand. Bereits nach wenigen Runden hatte ich ein recht gutes Gefühl. Als dann wieder alles im Bus verladen war, machten wir uns kurz vor 21 Uhr auf die Weiterreise Richtung Oberhallau und erreichten gegen elf Uhr nachts und mit Regen unseren gewohnten Fahrerlagerplatz.

 

Gegen Freitagmittag liess dann der Regen nach und wir konnten unser Zelt aufstellen und die neue Wunderwaffe ausladen. Nach dem Einrichten mussten wir noch das Auto wieder putzen und herrichten. So gegen 16 Uhr traf dann Enzo Osella, der Konstrukteur des FA30, bei uns ein und wir konnten noch die Feineinstellungen vornehmen.

 

Nachdem es durch die Nacht noch ziemlich heftig geregnet hatte, war der Samstagmorgen zwar bewölkt, aber trocken. Bis zu unserem 1. Trainingslauf war die Strecke auch ganz abgetrocknet. Enzo Osella bat mich, doch sehr vorsichtig meine erste Bergfahrt anzugehen. Ich befolgte dies. Mit 1.18.476 war ich dann auch 3,5 sec langsamer als letztes Jahr mit dem Martini im ersten Training. Dennoch reichte dies zum 3. Rang hinter Jean-Jacques Dufaux und Uwe Lang.

 

Nach leichten Fahrwerkseinstellungen konnte ich mich im 2. Probelauf auf 1.15.665 steigern. Dies war bereits der 2. Platz hinter Florian Lachat, aber bereits vor Dufaux, Riva und Lang. Im 3. Training rückte ich dann bei schon wieder kühleren Temperaturen mit neuen Reifen aus. Meine Probleme beim Start wiederholten sich und auch sonst fand ich das Vertrauen zum Auto im weiteren Verlauf nicht optimal. Dennoch kam ich in 1.15.041 sogar zur absoluten Trainingsbestzeit an diesem Tag. Die meisten Fahrer konnten sich, wohl wegen den sinkenden Temperaturen, nicht mehr steigern. Das grösste Problem am Osella an diesem Trainingstag war das Pumpen an der Vorderachse bei hohen Geschwindigkeiten. Dies mussten wir für den Rennsonntag in den Griff kriegen, was sich aber als eine knifflige Aufgabe herausstellte.

 

Der Sonntag begann mit einem freiwilligen Training, was zwischen 8.30 und 9 Uhr stattfand und nicht nach Klassen gefahren wurde, sondern, wer am Start stand, konnte fahren. Wir stellten uns dann so gegen Acht in die Kolonne am Vorstart. Ich denke, wir waren mit dem Timing recht gut bedient, denn ich konnte diesen Lauf um ca. halb Neun bei schon ein wenig Sonnenschein in Angriff nehmen. Von den Anwärtern auf den Tagessieg war ich der Einzige, der sich gegenüber den Trainingszeiten steigern konnte. Ich fuhr in 1.14.65 mit über 3 sec Vorsprung vor Uwe Lang, Florian Lachat und Reto Meisel Bestzeit. Auch das Pumpen an der Vorderachse wurde langsam besser.

 

Auf den 1. Rennlauf nahmen wir dann nochmals eine kleine Änderung an der Vorderachse vor. Meine Starts waren mit diesem Auto einfach nicht so toll, dafür war das Pumpen bei High Speed so gut wie weg und mein Gefühl wurde mit jedem Meter besser. Ich konnte in 1.13.62 eine erste Laufbestzeit vor Florian Lachat, Jean-Jacques Dufaux, Tiziano Riva und Uwe Lang notieren lassen.

Ich kam immer besser in Fahrt und fühlte mich immer sicherer im Osella und steigerte mich im 2. Rennlauf nochmals um rund eine Sekunde auf 1.12.69. Damit verpasste ich den absoluten Streckenrekord von Eric Berguerand um 0,43 sec.

 

Diesen wollte ich dann im 3. Wertungslauf angreifen. Wegen der vorgeschrittenen Zeit durch diverse Unterbrüche, Unfälle und technische Defekte, wurde unser letzter Rennlauf nach 19 Uhr annulliert. Schade, aber das Risiko wäre wahrscheinlich auch zu gross gewesen, bei den wiederum sinkenden Asphalttemperaturen nochmals auf Steckenrekordjagd zu gehen. Der Osella FA30-Zytek hat aber noch ein riesiges Potenzial, doch die Angewöhnungsphase von uns beiden wird wohl auch noch einige Zeit dauern.

 

Hier in Oberhallau konnte ich somit meinen sechsten Gesamtsieg (den vierten in der Meisterschaft) in Folge feiern und meine Führung in der Schweizer Bergmeisterschaft um einen Punkt ausbauen.

 

Nun möchte ich mich aber noch ganz herzlich bei meinem gesamten Team bedanken, die mich in den letzten Wochen bei der Umstellung auf das neue Auto und hier vor Ort tatkräftig unterstützten und mir den Rücken stärkten. Ich weiss, es war nicht einfach und gerade deshalb: Herzlichen Dank für euren Einsatz!!!

 

Auch einen grossen Dank geht an das Team von Trim-Line um Heinz Bader, die es ermöglichten, dass ich in gewohntem Auftritt in Oberhallau teilnehmen und alle Sponsoren im beinahe gleichen Outfit auf dem FA30 präsentieren konnte. Tolle Leistung, Danke!

 

Ein ebenso Grazie Mille an Enzo Osella, der mich, einem für ihn fremden Fahrer, mit seinem grossen Wissen über drei Tage persönlich vor Ort unterstützte und wesentlich zum Erfolg beitrug.

 

Die Dimension des Dankes an Patrice Gerzner, der mir seinen Osella zum Fahren anvertraut, lässt sich gar nicht beschreiben und in Worte fassen. Auch ihm ein riesiges Dankeschön!

 

Nun geht es aber Schlag auf Schlag. Bereits am kommenden Wochenende, 04.- 05. September, findet das Heimrennen am Gurnigel statt. Werte Sponsoren, liebe Freunde und Fans, ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mich bei dieser Jubiläumsveranstaltung 100 Jahre Bergrennen Gurnigel vor Ort unterstützen und anfeuern würdet.

 

Bis am Gurnigel…

Marcel

 

 

 

Rangliste
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