Ein Sieg für Lionel Regal












Am 15. August jährte sich das erste Mal der tödliche Unfall von Lionel Regal beim Bergrennen St. Ursanne - Les Rangiers. Und dieses Wochenende fuhren wir wieder besagtes Rennen. Dies war für mich eine enorme Berg- und Talfahrt der Emotionen. So musste ich mit meinem Osella sechs Mal an der Unfallstelle und Gedenkstätte runterrollen und immer wieder hinsehen und, wenn auch sonst oft, in diesem Moment sehr stark an meinem Freund Lio denken. Auch fanden vor der Veranstaltung grosse Diskussionen über die Sicherheit und die Geschwindigkeiten statt. Einige Fahrer der Bergeuropameisterschaft boykottierten dieses Rennen. Dies wäre wohl aber nicht im Sinne von Lionel Regal gewesen. Von all dem ein wenig belastet, war ich sicher nicht gerade in meiner Bestform. Vor allem am Samstag hatte ich den Kopf für gute Zeiten irgendwie nicht frei.

 

Am Freitag konnten wir uns bei herrlichem Sonnenschein im Fahrerlager einrichten, die Strecke besichtigen und die Wagenabnahme absolvieren. Zudem fuhren wir zur Unfallstelle von Lio, um ein paar Blumen niederzulegen und ihm zu gedenken. Am Samstag stand dann schon kurz nach neun Uhr der 1. Trainingslauf an. In der Topspeedpassage Richtung Grippon begann der Osella etwas zu springen und streifte ein wenig am Boden, ansonsten fühlte ich mich nicht so schlecht unterwegs. Die Laufzeit von 1.55.66 war dann aber doch sehr enttäuschend. Ich belegte zwar den 2. Zwischenrang hinter Florian Lachat (1.55.20), die Zeiten waren bei den Rennsportfahrzeugen im Allgemeinen nicht auf einem guten Niveau. Ich fuhr auch nur unwesentlich schneller, als mit dem Martini vor Jahresfrist im 1. Training.

 

Mit besseren Reifen und höherer Bodenfreiheit, aber immer höher werdenden Luft- und Asphalttemperaturen, konnte ich mich um 1.5 sec auf 1.54.12 steigern, was für diesen Lauf Bestzeit bedeutete. Dicht gefolgt von Fabien Frantz ( Raynard- F3000, 1.54.38) und Joel Volluz ( Raynard-F3000. 1.54.61). An Florian Lachat‘s Tatuus-Turbo brach bei der Anfahrt Grippon bei fast Topspeed der Heckflügel. Mit grossem Glück drehte er sich aber auf der Strasse über 70-80 m bis zum Stillstand.

 

Auf den 3. Probelauf stellten wir ein wenig das Fahrwerk um und das Springen bei Topspeed wurde etwas weniger. Ich kam trotzdem nur auf 1.52.28. Diesmal war Frantz etwas schneller (1.51.82) und Volluz einen Wimpernschlag langsamer (1.52.37). Lachat kam mit repariertem Auto auf 1.55.23.

Nach diesem Trainingstag war ich alles andere als zufrieden, denn Topzeiten, auch im Training, lagen doch in den Vorjahren deutlich unter 1.50!

 

Gleich Sonntag früh im 1. Rennlauf beschädigte ein Tourenwagenfahrer die Leitplanke nach dem Grippon schwer und es musste eine etwa eineinhalbstündige Reparaturpause eingelegt werden. Damit hatten wir genügend Zeit, den Samstag nochmals genau zu analysieren und noch kleine Änderungen am Osella vorzunehmen. Wir bestückten diesen mit neuen Reifen. Als ich dann an der Reihe war, gelang mir der Start, wie schon das ganze Wochenende, nicht optimal. Doch nach dem 270 Meter langen Sprint auf beinahe 200km/h zur „Garage“, der ersten Kurvenpassage nach dem Start, fühlte sich das Auto wesentlich besser an und bot deutlich mehr Grip. Dies vermittelte ein gutes Vertrauen für den oberen, sehr schnellen Teil. Auch da kam ich viel besser zurecht als am Samstag und konnte den Waldabschnitt wesentlich schneller absolvieren. Dies ergab dann eine Zeit von 1.48.71 und brachte mir die Führung ein, rund 1.3 sec vor Joel Volluz und 3 sec vor Fabien Frantz. Florian Lachat und Billy Ritchen folgten mit über 3.5sec Rückstand.

 

Über Mittag auf den 2. Rennlauf stiegen die Temperatur dann gegen 35°C und die Verhältnisse waren eigentlich nicht mehr optimal. Dennoch bemerkte ich schon während der Fahrt, dass es gut lief, denn zwei Mal kam ich im Wald im 5. Gang in den Drehzahlbegrenzer. Leider machte ich auch noch einen kleinen Fehler, im Ziel stand aber eine 1.48.02 für mich auf der Anzeigetafel. Volluz zeigte abermals eine super Leistung und fuhr ebenfalls unter 1.50 (1.49.69). Frantz blieb bei 1.51,Ritchen bei 1.52 stecken und Lachat konnte wegen neuerlichen Problemen mit dem Heckflügel nicht mehr antreten.

 

Im 3. Wertungslauf wollte ich dann möglichst noch eine 1.47-er Zeit realisieren. Wir nahmen noch eine kleine Änderung am Stabilisator vorne vor. Diese ging wohl in die falsche Richtung, denn ich kam bloss auf 1.49.97. Da meine direkten Konkurrenten aber auch langsamer wurden und die zwei besten Läufe addiert wurden, konnte ich einen weiteren schönen Gesamtsieg feiern.

Für mich ging mit diesem Sieg fast ein wenig ein Traum in Erfüllung. Einerseits, da dieses Rennen zur Europa-Bergmeisterschaft zählt und andererseits konnten sich wegen der speziellen Streckencharakteristik grosse Namen in die Siegerliste eintragen lassen. Es freut und ehrt mich, nun auch zu diesen zu gehören. Weiter konnte ich, wenn auch nur leicht, die Führung in der Schweizer-Bergmeisterschaft ausbauen.

 

Am kommenden Wochenende, 27. - 28 August, starten wir beim Bergrennen in Oberhallau. Da kann ich ein kleines Jubiläum feiern, denn vor einem Jahr fuhr ich in Oberhallau das erste Rennen mit dem Osella FA30.

 

 

bis bald…

Marcel

Rangliste
⇒Gesamtergebnis Rennen 2011
⇒Klassenergebnis Rennen 2011
⇒Klassenergebnis Training 2011
⇒Geschwindigkeiten Garage 2011
⇒Geschwindigkeiten Grippons 2011
⇒CH-Meisterschaft Zwischenrangliste 2011
⇒EBM Zwischenrangliste 2011