Schweizer Saisonfinale











Traditionellerweise findet der Schweizer Saisonabschluss beim Bergrennen Châtel-St.Denis - Les Paccots statt. Dieses Rennwochenende beginnt immer erst Samstag nach dem Mittag mit dem Training und so konnte ich am Freitagmorgen noch arbeiten. Am Mittag machten wir uns dann auf den eineinhalb Stunden dauernden Weg ins Greyerzerland. Gleich bei unserer Ankunft wurde unser Fahrerlagerplatz geräumt und wir konnten rasch mit Ausladen und Einrichten beginnen. Nach der Streckenbesichtigung und der Wagenabnahme genossen wir zum Nachtessen ein Käse-Fondue.

 

Samstagfrüh war keine Eile angesagt. Wir planten den Samstag als Marangoni-Trainings-Day ein und so mussten wir das Auto noch auf die Reifen umstellen. Kurz nach dem Mittag hörte es dann zu Regnen auf, die Strecke trocknete erstaunlich schnell ab und wir konnten den Osella doch noch auf Slickreifen umrüsten. Die Piste war noch ein wenig feucht an diversen Stellen und ich fuhr einen vorsichtigen Lauf. In 1.03.35 konnte ich dennoch die Bestzeit realisieren, 0.5 sec vor Joel Volluz, 2 sec vor Eric Berguerand und 4 sec vor Florian Lachat.

 

Auf den 2. Trainingslauf nahmen wir bloss eine kleine Änderung am Heckflügel vor. In 57.52sec konnte ich meinen Streckenrekord aus dem Vorjahr bereits um eine halbe Sekunde unterbieten. Ausser Volluz schaffte es sonst kein Fahrer, die Minutengrenze zu knacken. Im 3. Training konnte ich mich nochmals leicht auf 57.13 steigern. Joel fuhr 58.86, ansonsten schaffte es wiederum kein weiterer Fahrer unter einer Minute.

 

In der Nacht begann es wieder zu regnen und dieser zog sich auch in den Sonntagmorgen hinein. Verständlich, dass unser 4. Probelauf, bereits vor neun Uhr, nicht so rege besucht war. Ich testete nochmals andere Regenreifen. Vom Gefühl her vermittelten diese aber nicht den optimalen Grip und ich wollte kein Risiko eingehen. Die Uhr stoppte bei 1.21.34, was klar die schnellste Zeit eines Rennsportfahrzeugs war. Im selben Moment, wo wir zum 5. Trainingslauf vorfahren wollten, wurde dieser wegen zu starken Regens abgesagt.

 

Leider besserte sich die Wettersituation auch zum 1. Rennlauf nicht wesentlich. Bereits nach zwei Kurven hatte ich zwei grobe Quersteher und auch auf der Geraden war es nicht einfach, das Auto auf der Strasse zu halten. Dann wurde ich mit gelben Flaggen abgewunken, denn Joel Volluz hatte sich im Highspeed-Abschnitt gedreht und ich musste meinen Lauf wiederholen. Weil alles so durchnässt war, beschlug nun auch noch mein Visier und ich konnte im zweiten Versuch die Pfützen und Wasserrinnsale nur noch erahnen. Ich erreichte das Ziel bloss in 1.28.71 und fand mich in den Niederungen der Rangliste wieder.

 

Endlich besserte sich dann in der Mittagspause das Wetter, der Regen war vorbei und der Reifenpoker begann… niemand hätte es an diesem Tag noch erwartet, aber bereits auf unseren 2. Wertungslauf begann es abzutrocknen. Mit Intermediates musste ich die Aufholjagd starten und dies gelang mir in 1.03.04. Ich konnte Volluz fast 4 sec abnehmen und Lachat über 6 sec. In der Addition der beiden Läufe war ich hinter zwei Tourenwagen nun auf dem 3. Platz.

 

In der Pause vor dem 3. Rennlauf schien dann sogar die Sonne und half zusätzlich die Piste zu trocknen. Wir stellten den Osella komplett auf das samstägliche Trocken-Set-Up um. Mit einer aggressiven Fahrt konnte ich einen weiteren, bei diesen Verhältnissen unerwarteten Streckenrekord in 56.38sec herausfahren. Joel Volluz steigerte sich noch auf sehr gute 57.60, hatte aber letztendlich aus zwei Läufen 5 Sekunden Rückstand auf meine Laufzeiten. Florian Lachat war sogar über 12 Sekunden zurück.

 

Nun stehen wir schon in der Weiterentwicklung des Osellas und werden beim Bergrennen in Mickhausen (01.-02. Oktober) bereits neue Teile für die kommende Saison testen. Zudem erwartet mich ein Spitzenfeld mit den besten Fahrern aus ganz Europa mit weiteren drei Osella FA30 und zehn Formel 3000. Es wird also eine unheimlich spannende Angelegenheit und ich bin topmotiviert, mich in diesem Feld zu beweisen.

 

 

bis bald…

Marcel