Der mögliche Sieg zerschellt an der Leitplanke








Das Teilnehmerfeld und der Wetterbericht versprachen schon ein Rennen der Superlative. Es wird von Jahr zu Jahr immer mehr zum „Race of Champions“ des Bergsports, denn es fanden sich fast alle Meister, Cup- und Pokalgewinner aus Zentraleuropa ein. Es waren alle vier existierenden Osella FA30 und 10 Formel 3000 vor Ort, die um den Gesamtsieg fuhren.

 

Wir reisten bereits Donnerstagabend die 400 Kilometer nach Mickhausen an und waren um ein Uhr im Fahrerlager. Am Freitag waren noch ein paar Kleinigkeiten am Osella zu erledigen, zudem die Wagenabnahme und Streckenbesichtigung zu absolvieren. Gegen Abend schlenderten dann schon viele Zuschauer ein erstes Mal durch das Fahrerlager.

 

Am Samstagmorgen hing der Nebel noch tief, als ich die Strecke nochmals besichtigte. Dieser verzog sich dann relativ schnell und das Training konnte pünktlich beginnen. Einige Fahrer schienen aber schon übermotiviert und zerstörten ihre Autos zum Teil recht übel, was den Zeitplan schon wieder strapazierte. Kurz vor Mittag konnten wir dann auch unseren 1. Trainingslauf unter die Räder nehmen. Ich fuhr gleich mal meine neuen Reifen für die Rennläufe an. Weil es doch schon recht warm war, fand ich, dass die Strecke schon recht guten Grip bot. In 49.680 konnte ich dann auch deutlich die Bestzeit markieren, denn kein anderer Fahrer kam in die Nähe der 50-er Marke.

 

Für den 2. Probelauf rüsteten wir den Osella auf alte Reifen um und nahmen leichte Änderungen am Heckflügel vor. Dies ergab im Allgemeinen weniger Grip, den ich dann auch gleich zu spüren bekam. Dennoch konnte ich mich auf 48.749 steigern, womit ich den Streckenrekord von Lionel Regal aus dem Jahr 2007 schon rund um 15/100 sec unterbieten konnte. Simone Faggioli (Osella FA30, vierfacher Europameister) knackte die 50-Sekunden-Grenze auch und war mit 49.431 hinter mir. Joel Volluz (Raynard-F3000) bestätigte seine Form aus der Schweizer Meisterschaft und belegte Rang 3 in 51.158, gefolgt von Dusan Neveril (Norma-Judd, 51.515),Jaroslav Krajci (Lola-F3000, 51.606) und Fausto Bormolini (Raynard-F3000, 51.688).

 

Mit dem Set-Up meines Rennwagens war ich eigentlich ganz zufrieden, fuhr im 3. Training ohne Veränderungen und konnte nochmals zulegen und 48.089 realisieren. Simone rückte mir in 48.573 ein wenig näher. Auch Joel legte nochmals nach und erreichte 50.039, danach folgten weitere sechs Fahrer mit 51-er Zeiten. Mit meinem Trainingstag war ich dann auch sehr zufrieden, konnte den Streckenrekord schon fast eine Sekunde unterbieten und mich vor Faggioli behaupten.

 

Sonntagfrüh war der Nebel dicker und hartnäckiger, der Start des Rennens wurde von acht auf neun Uhr verschoben. Zudem wurde durch den Nebel im obern Teil die Strecke auch noch feucht, was die Aufgabe für uns Fahrer nicht gerade einfacher machte, denn wir durchfahren das Regal-S, eine Rechts-Links-Rechts-Passage mit rund 220 km/h. Genau in diesem Bereich überschlug sich Maurizio Roasio mit seinem Formel 3000, was eine längere Bergungszeit des Fahrzeugs nach sich zog. Der Fahrer blieb glücklicherweise unverletzt! Ein paar Autos später streifte sich Franco Cinelli an seinem Formel 3000 zwei Räder ab - wieder Unterbrechung. Dann endlich konnte ich auch starten, doch schon kurz nach der Startkurve bekam ich die roten Flaggen gezeigt - wieder Unterbruch. Vor mir hatte sich Fausto Bormolini in die Leitplanken gedreht. Ich wurde an den Start zurückgeführt und konnte meinen Lauf wiederholen. Mein zweiter Start inklusive Startkurve gelang mir besser als zuvor. Auch der Waldeingang bei der Antoniusbuche und das Karussell waren gut. Nun wollte ich keinen Fehler machen und den Schwung durch die Waldkurve mit auf die Gerade nehmen. Als ich bei Posten 10 in die Waldkurve, wie am Samstag im Training, einlenken wollte, fuhr der Osella untersteuernd geradeaus in die Leitplanken. Ich konnte mich dann zurück auf die Strasse retten und meinen Lauf zu Ende fahren. Über meine Zeit von 50.876 war ich dann wenig begeistert, aber immerhin den 4. Zwischenrang hinter Faggioli (49.210), Volluz (49.893) und Eic Berguerand (50.489) einbrachte. Nach der Datenanalyse und dem Zeitverlust durch den Leitplankenkontakt konnte ich mir dann nochmals die Haare raufen…

Mein Team und ich waren dann in der Zeit zum 2. Wertungslauf ausgiebig beschäftigt, denn Osella wieder herzurichten. Vielen Dank an meine Leute, die einen super Job gemacht haben und mir wieder ein tolles Auto hingestellt haben. Die Blessuren fast nicht mehr zu erkennen! Das Vertrauen zum Auto hatte ich noch, aber das zur Strecke war nicht mehr so optimal. So fuhr ich dann die Waldkurve etwas vorsichtiger und auch im Regal-S ein wenig zu zaghaft. In 48.751 konnte ich vorerst auf den 2. Zwischenrang vorrücken. Simone Faggioli verbesserte den Streckenrekord auf 46.903 und Joel Volluz (49.684) war in der Addition der beiden Läufe noch 0.05 sec vor mir.

 

Im 3. Rennlauf lief es bei mir dann wieder besser und ich wusste, dass das Auto auch nach dem Unfall für gute Laufzeiten fähig war. Ich konnte mich nochmals um eine Sekunde steigern und erreichte in 47.771 das Ziel und konnte den Rückstand auf Simone (47.906) sogar etwas verkürzen und Joel (49.278) auf den 3. Gesamtrang verdrängen.

 

Der Leitplankenkontakt hatte mir aber auf jeden Fall den Tag versaut! Wer weiss, was sonst möglich gewesen wäre… Dennoch war es ein gutes und spannendes Wochenende und ich konnte Simone Faggioli (Osella Werksfahrer) Paroli bieten und ihn herausfordern.

 

Ich kann nun auf eine äusserst erfolgreiche Saison 2011 zurückblicken, mit 11 Gesamtsiegen und 6 neuen Streckenrekorden. Nun verabschiede ich mich vorerst mal in die Winterpause und möchte mich bei allen Sponsoren, Gönnern, Partnern Helfern und Fans für die tolle Unterstützung bedanken!

Merci vielmal an Alle!!!

 

Euer Marcel