Mit technischen Problemen auf den 2. Rang












Bereits am Mittwochabend machten wir uns auf die 1200 Kilometer lange Anreise nach Tschechien. Der Bus war bis auf den letzten Zentimeter voll mit Material, den Anhänger von Roger Schnellmann mit seinem Mitsubishi Lancer Evo8 angehängt und damit die höchstzulässige Länge erreicht. Da wir gut aufgestellt waren mit meinen Mechanikern, die zudem mit dem Bus fahren konnten, fuhren wir die Nacht durch und erreichten nach 14 Stunden Reisezeit um neun Uhr morgens das Fahrerlager in Sternberk.

 

Nach einem gemütlichen Frühstück richteten wir unseren vorreservierten Fahrerlagerplatz ein. Am Nachmittag standen noch einige Arbeiten am Osella an und ich musste meine Streckenkenntnisse neu auffrischen. Unser ganzes Team war abends bei Bekannten eingeladen zum Nachtessen, danach war für uns Zubettgeh-Zeit, hatten wir dringend nötig. Am Freitag hatten wir es dann gemütlich, noch Wagenabnahme und für mich immer wieder Streckenbesichtigung. Diese nimmt bei einer Streckenlänge von 7.8 km sehr viel Zeit in Anspruch.

 

In der vierwöchigen Pause nahmen wir noch einige Änderungen und Modifikationen am Osella vor. Wie sich im 1. Trainingslauf am Samstagmittag herausstellte, nicht ganz alle erfolgreich. Da ich nach dem Eschdorf-Rennen eine gerissene Bremsscheibe feststellte, montierte ich im Vorfeld neue Bremsscheiben und neue Bremsbeläge. Es war auf dem Weg an den Start aber fast unmöglich, diese einigermassen anzubremsen. Somit hatte ich auf der ganzen Fahrt ein schlechtes Gefühl im Auto, denn mehrmals müssen enge Kehren von jenseits 200 km/h angebremst werden. Dennoch konnte ich in 3.03.580 die viertschnellste Zeit realisieren, doch 9 Sekunden hinter Simone Faggioli (Osella FA30), 3 Sekunden hinter Milos Benes (Osella FA30) und 1.5 Sekunden hinter Otokar Kramsky (Reynard- F3000).

 

Auf den 2. Trainingslauf zerlegten wir die Bremsen nochmals komplett und zogen die Scheiben und Beläge neu ab. Auf dem Weg zur Startaufstellung fühlte sich die Bremse dann gut an. Dennoch war eine Verunsicherung während der Fahrt da. Auf den ersten ca. 3 Kilometern funktionierte die Bremse dann einwandfrei. Danach begannen die Probleme wieder und es war schwierig, mich auf das schnelle Fahren zu konzentrieren, wenn man nie so genau weiss, wie sich das Auto abbremsen lässt. Auf der Strecke von Ecce Homo kann fast nirgends eine Kurve gerade angebremst werden. Immer wenn ich eingelenkt hatte und dazu bremsen musste, war die Bremswirkung schlecht. Nach dem Ziel auf der Geraden war sie wieder top. Trotz der neuerlichen Probleme konnte ich mich auf den 3. Trainingsrang vorschieben und eine Zeit von 2.58.449 realisieren, der Abstand zu Faggioli und Benes blieb aber etwa gleich.

 

Nach ausgiebigen Besprechungen mit dem Team und gründlichen Untersuchungen des Osellas durch meine Mechaniker konnte die Problemzone lokalisiert werden. Wir nahmen „Optimierungen“ an den Radträgern und den Radlagern vor, um den Rollwiderstand zu minimieren. Doch durch die abströmende Hitze der Bremsen erwärmte sich der Radträger dermassen, dass das Radlager Spiel bekam und die Bremsscheibe wurde dadurch von ihrer ursprünglichen Position weggedrückt. Als Abhilfe pressten wir dann alle Radlager aus und klebten diese mit Loctite ein.

 

Im 1. Rennlauf wusste ich nicht so genau, was mich erwarten würde und ob unsere Reparatur überhaupt etwas bringt. Auf dem ersten Teil der Strecke konnte ich aber sicher angreifen und dies tat ich auch. Die Bremsprobleme traten aber dann doch wieder auf, vielleicht einwenig später. Ich wusste aber nun von wo sie kommen, konnte mich darauf einstellen und versuchen, diese ein wenig zu umfahren. Im obersten Teil war es aber wieder katastrophal. Dennoch konnte ich mich auf 2.52.940 steigern und die zweitschnellste Laufzeit markieren und Milos Benes um gut eine Sekunde hinter mir halten. Simone Faggioli stellte in 2.45.630 einen neuen Streckenrekord auf. Mit meiner Zeit konnte ich sogar hinter Faggioli in der ewigen Bestenliste am Ecce Homo auf den 2. Rang aufschliessen.

 

Als wir in der Startaufstellung zum 2. Rennlauf standen, begann es leicht zu regnen. Erinnerungen an 2010 wurden wach. Da der Asphalt aber relativ warm war, trockneten die Tropfen aber gleich wieder ab. Der Grip auf der Strecke war unverändert gut, doch im Mittelteil gab es wieder ein paar Tropfen mehr auf dem Helmvisier. Im unteren Teil passierte mir noch ein Fahrfehler von 0.6 sec. In 2.53.530 konnte ich meinen 2. Platz im Gesamtklassement aber festigen und endlich mit einem Resultat von Tschechien heimreisen.

Nach der Siegerehrung auf dem Dorfplatz konnten wir dann um acht Uhr die Heimreise antreten. Unser Teambus stand wiederum nur zum Tanken und Fahrerwechsel still und somit erreichten wir die Heimat am Montagmittag um 12 Uhr.

 

Bis zum Saisonauftakt der Schweizer Bergmeisterschaft in Reitnau am 1. Juli versuchen wir nun die Probleme am Osella endgültig in den Griff zu bekommen.

 

Bis bald…

Marcel

 

Rangliste
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