Vom Europameister den Meister gezeigt










Nur auf dem Weg ins Fahrerlager am Donnerstagabend haben wir das Rennen gegen Simone Faggioli gewonnen. Direkt vor seinem Sattelzug fuhren wir um halb zehn Uhr ins Städtchen St, Ursanne ein. Als wir an unserem angestammten Fahrerlagerplatz eintrafen, erlebten wir schon mal die erste Überraschung. Dieser Platz war für das Faggioli-Team reserviert. Uns wurde dann der Platz direkt daneben zugewiesen.

 

Am Freitagvormittag stellten wir, wie vom Veranstalter bewilligt, unsere Zelte auf und richteten unseren Platz ein. Am Nachmittag verlief mit Streckenbesichtigung und Wagenabnahme alles nach Plan. Bis dann um fünf Uhr nachmittags der Feuerwehrkommandant kam und erst 3m Durchfahrt wollte und danach 3.5m, was wir immer erfüllten. Dennoch stand mein Zelt zu weit in der Strasse und wir mussten alles nochmals umplatzieren.

 

Als ich samstags früh den Bus verliess, war es noch angenehm kühl und ich konnte beim Joggen im Wald ein wenig den Kopf durchlüften lassen. Als unser 1. Trainingslauf gegen halb Elf bevorstand, war es mittlerweile doch schon recht warm. Bereits in der ersten Kurvenpassage bei der Garage merkte ich, dass der Osella ein gutes Set-Up hatte und auch oben in der schnellen Waldpassage lief es schon ganz gut. Im Ziel war ich dann nur etwas mehr als eine Sekunde langsamer als letztes Jahr im schnellsten Rennlauf und konnte in 1.49.29 überraschend die Bestzeit realisieren vor Simone Faggioli (I-Osella FA30, 1.49.39), Joel Volluz (CH-Raynard-F3000, 1.53.32), David Hauser (L-Dallara GP2, 1.53.98) und Fausto Bormolini (I-Raynard-F3000,1.58.08).

 

Auf den 2. Probelauf mussten wir am Osella eine geplatzte Antriebswellenmanschette reparieren und kleine Fahrwerksoptimierungen vornehmen. Weil die Temperaturen von Luft und Asphalt nun dermassen angestiegen waren und die Strecke durch einige Unfälle verschmutzt war, wurden wir vor dem Start zur Vorsicht aufgefordert. Zudem wurden wir während der Fahrt des Öfteren mir gelb/rot- gestreiften Fahnen an die rutschige Fahrbahn ermahnt. Ich hatte aber eigentlich nicht das Gefühl, dass die Strasse besonders rutschig war, machte durch die Fahnen aber doch vorsichtig und war in 1.50.18 langsamer als zuvor. Faggioli (1.50.93), Hauser (1.54.70), Bormolini (1.59.90) und Volluz (2.01.75) nahmen die Warnungen zum Teil noch etwas ernster.

 

Kurz vor sechs abends entschärfte sich die Hitzesituation ein wenig und wir konnten nochmals angasen. Ich musste dann feststellen, dass Simone vorher wohl ein wenig mit uns gespielt hatte, denn er knabberte in 1.45.87 schon ein wenig an seinem Streckenrekord. Ich folgte mit Respektabstand in 1.48.86, 0.5sec vor Joel und 3sec vor David.

 

Zu den normalen Wartungsarbeiten mussten wir nochmals zwei geplatzte Antriebswellenmanschetten reparieren. Die Hitze und die hohen Geschwindigkeiten forderten das Material.

 

Sonntagfrüh bei noch einigermassen vernünftigen Temperaturen rückten alle Spitzenfahrer mit neuen Reifen aus, da wohl die besten Verhältnisse des Tages herrschten. Mein Auto fühlte sich super an, ich konnte überall ein gutes Tempo gehen und trotzdem wäre hie und da noch etwas mehr drin gelegen. Im Ziel stand für mich 1.45.87 auf der Anzeigetafel, genau wie bei Faggioli im Training, somit konnte ich mit meiner Leistung zufrieden sein. Gleich hinter mir folgte aber der Hammer, denn Simone Faggioli legte nochmals zu und fuhr 1.43.42 und verbesserte seinen Streckenrekord um beinahe 2 Sekunden. Joel Volluz steigerte sich ebenfalls auf ausgezeichnete 1.46.30, David Hauser auf 1.49.25 und Fausto Bormolini auf 1.51.23.

 

Der 2. Wertungslauf zog sich recht lange hin. Erst Mitte Nachmittag waren wir wieder an der Reihe und temperaturmässig eher über dem Samstagsniveau. Ich entschied mich für eine leicht härtere Reifenmischung, die wir kurz an der Sonne vorwärmten. Der Start war super und auch die ersten Kurvenpassagen, doch in den ultraschnellen Waldkurven war die Balance nicht mehr ganz optimal. In 1.46.54 konnte ich nicht ganz an meine vorige Zeit anknüpfen und musst mich in diesem Lauf hinter Faggioli (1.45.00) und Volluz (1.46.42) einreihen und in der Addition wurde das mit Joel nun eng.

 

Weil die Sonne gegen sieben Uhr vor unserem 3. Rennlauf nun etwas schwächer wurde, waren nochmals Topzeiten zu erwarten. Kurz vor meinem Start wurde das Rennen aber ein weiteres Mal unterbrochen und Joel Volluz blieb mit technischem Defekt liegen. Nun war ich etwas im Zwiespalt, denn so war mein zweiter Platz gesichert und auf den Sieg hatte ich keine Perspektive. Dennoch wollte ich eine gute Laufzeit abliefern, ohne allzu grosse Risiken einzugehen. Leider ging dann schon der Start etwas in die Hose und auch im Gripon liess ich ein wenig Zeit liegen. In 1.46.40 konnte ich aber meinen zweiten Gesamtrang hinter Simone Faggioli (1.43.89) halten und wichtige Punkte für die Schweizer Bergmeisterschaft sichern. Auf Grund von nur zwei gewerteten Läufen behielt Joel Volluz seinen dritten Rang, David Hauser belegte bei seinem ersten Auftritt in Les Rangiers den ausgezeichneten vierten Rang vor Fausto Bormolini. Mit diesen Resultaten konnten wir Schweizer uns im Feld der Europameisterschaft wieder super in Szene setzen.

 

Zeit zum Verschnaufen bleibt mir und meinem Team momentan keine, denn am kommenden Wochenende, 25. - 26. August, findet bereits das Bergrennen in Oberhallau statt, dies bevor wir dann am 08. - 09. September bereits beim Heimrennen am Gurnigel starten.

 

Bis bald…

Marcel

 

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