Mit viel Arbeit zum Titel












Das Heimrennen ist auch von der Anfahrt am Schönsten. Eine halbe Stunde Fahrt und schon waren wir im Fahrerlager. Unser Platz wurde ganz neu mit Verbundsteinen belegt und wir hatten einen richtig schönen, guten Fahrerlagerplatz. Als wir uns dann eingerichtet hatten und die Wagenabnahme auch schon erledigt war, musste ich mir mal ein wenig Zeit stehlen, um die Strecke noch besichtigen zu können.

 

Am Samstagmorgen hatten wir keine Eile, unser 1. Trainingslauf war erst gegen elf Uhr angesetzt und so waren die Temperaturen schon recht angenehm und ganz sicher alles trocken. Kurz vor meinem Start wurde das Training unterbrochen, weil Florian Lachat (Tatuus-Turbo) sich bei Posten 12 gedreht hatte und in die Leitplanken einschlug. Danach konnte ich aber starten. Alles ging ganz gut, nur der Grip auf der Strecke war noch nicht ganz optimal und im oberen Teil hatte ich dadurch ein paar Quersteher. In 1.44.77 stellte ich aber schon fast eine Fabelzeit auf und konnte die Konkurrenz deutlich distanzieren.

 

Der Osella fühlte sich eigentlich ganz gut an, ausser dass er in zwei Anbremspassagen auf der Strasse aufsetzte. Daher erhöhten wir leicht die Bodenfreiheit auf das 2. Training. Dies wirkte sich aber negativ auf das Fahrverhalten in den zwei schnellen Kurvenpassagen aus. Ich konnte mich trotzdem um über eine Sekunde auf 1.43.27 verbessern und erstmal eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 130 km/h realisieren. Die Gegner rückten auch etwas näher, Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.45.39) war super aufgelegt, Joel Volluz (Raynard-F3000, 1.46.15) steigerte sich um über zwei Sekunden, Florian Lachat (1.49.37) bügelte seinen Lapsus aus und David Hauser (Dallara GP2, 1.52.37) lernte fleissig die Strecke kennen.

 

Weil sich die grössere Bodenfreiheit nicht bewährte, senkten wir den Osella wieder ab und spendierten ihm zudem andere Reifen. Das Auto fühlte sich viel besser an, irgendwie konnte ich das aber nicht optimal umsetzten und war in 1.43.30 leicht langsamer im Ziel. Volluz steigerte sich nochmals massiv und war in 1.43.73 nur knapp hinter mir. Berguerand und Lachat bestätigten ihre Zeiten und Hauser wurde in 1.51.48 etwas schneller.

 

Für Sonntagmorgen war nochmals ein Training angesetzt. Und wieder wurde der Trainingsbetrieb kurz vor mir unterbrochen, diesmal aber nur wegen verunreinigter Strecke. Mein Start war dann nicht so gut und auch in der Rechtskurve nach dem ersten Wald bei den Zuschauern erwischte ich nicht ganz die Ideallinie. Richtung Posten 6 ging es dann aber zügig. Weil ich am Samstag beim Linksknick über den Schachtdeckel keinerlei Probleme hatte, versuchte ich diese noch ein wenig schneller zu fahren. Dies war dann wohl zuviel des Guten, der Osella versetzte zur Kurvenaussenseite und schon touchierte ich die Leitplanken. Ich wollte meinen Lauf zu Ende fahren, aber das Lenkrad stand zu schief. Dieser Unfall war nicht gerade die beste Voraussetzung für ein erfolgreiches Rennen am Nachmittag. Nach der Rückkehr ins Fahrerlager analysierten wir möglichst schnell die Schäden am Auto und checkten die Ersatzteile. Mein ausgezeichnet arbeitendes Team und ich benötigten fast die ganzen 3½ Stunden bis zum 1. Rennlauf, um den Osella wieder renntüchtig zu bekommen. Vielen Dank an mein Team und die freiwilligen Helfer!

 

Nun war es an mir, den Kopf frei zu bekommen, um eine gute Leistung abzugeben! Dies war in der kurzen Zeit nicht so einfach und zudem konnte ich auch noch nicht abschätzen, wie sich das Auto nach der Reparatur genau anfühlt. Doch bereits nach wenigen Metern spürte ich, dass keine Unfallfolgen zurückblieben und ich die neuen Reifen voll nutzen konnte. Ausser bei Posten 6 machte ich etwas vorsichtiger. Im Ziel leuchtete dann, fast unglaublich, 1.41.39 auf der Anzeigetafel. Dies war ein sehr emotionaler Moment - vom tiefen Fall zum Streckenrekord. Mit dieser Rekordfahrt konnte ich Joel Volluz um 1.17, Eric Berguerand um 3.28 und David Hauser um fast 6 Sekunden distanzieren.

 

Es rechnete niemand damit - mein Auto stand bereit für den 2. Rennlauf mit Trocken-Setup und wir waren bereits Material am aufladen - als direkt vor dem Start unseres Feldes Regen einsetzte. Bei uns im Fahrerlager blieb es fast trocken, doch von der Strecke und dem Zielbereich wurde uns Regen gemeldet. Ich entschied mich erst für Intermediates. Doch als ich zum Vorstart fuhr, hörte ich im Lautsprecher die Durchsage von heftigem Regen im Zielbereich. Weil der Rennbetrieb wegen eines Unfalls unterbrochen war, fuhr ich nochmals zurück ins Fahrerlager, um auf Regenreifen umzurüsten. Dies war dann wohl die richtige Entscheidung. Die Strecke war vom Start weg nur leicht feucht, der zweite Wald nass und von Posten 14 bis ins Ziel richtig nass. In 1.57.11 konnte ich mir den fünften Tagessieg am Gurnigel in Folge und zugleich auch noch den Meistertitel in der Schweizer Bergmeisterschaft sichern. Der Regen wirbelte das Klassement noch durcheinander. Im Gesamtklassement rückte Toni Büeler (Mitsubishi Lancer) mit zwei trockenen Läufen auf Platz 2 vor, vor Joel Volluz, der im Regen eine Zeit von 2.11.17 erreichte.

 

Mit diesem Resultat konnte ich den kaputt geglaubten Tag doch noch retten, meinem Team für die harte Arbeit mit dem Streckerekord danken und den vielen Zuschauern und Fans eine gute Vorstellung abliefern.

 

Bereits am kommenden Wochenende, 15. - 16. September, sind wir wieder im Einsatz beim Bergrennen Chatel – St. Denis - Les Paccots und auch am Sonntag danach, 23. September, beim neu auferlebten Bergrennen Hemberg.

 

Bis bald…

Marcel

 

⇒Gesamtergebnis Rennen 2012
⇒Klassenergebnis Rennen 2012
⇒Klassenergebnis Training 2012
⇒CH-Meisterschaft Zwischenrangliste 2012