Perfekter Saisonabschluss in Mickhausen





















Seit Mitte August in Les Rangiers reiste ich nicht mehr Donnerstag abends zu einem Rennen. Es war aber schön, wieder mal fast vollzählig bereits am Donnerstag anzureisen. Als wir nach Mitternacht eintrafen, waren die Plätze an unserer Strasse schon fast alle belegt. Ein Teilnehmer hat für uns aber einen guten Zwischenraum frei gelassen und wir konnten uns an gewohnter Stelle platzieren.

 

Freitags machte ich mich möglichst bald auf zur Streckenbesichtigung, da in Mickhausen meist schon kurz nach Mittag die Strecke für den Verkehr gesperrt wird. Das dauerte diesmal aber bis fast abends. Danach hatte ich noch die Wagenabnahme zu erledigen, die Strategie für den Trainingstag festlegen und Kleinigkeiten erledigen.

 

Samstagfrüh vor Trainingsbeginn besichtigte ich die Strecke nochmals zu Fuss. Die Strasse war vom Regen am Donnerstag an einigen Stellen immer noch recht nass. Dies änderte sich auch bis zu unserem 1. Trainingslauf nicht sonderlich. Gerade im superschnellen Regal-S, wo wir bei optimalen Bedingungen mit 220 Km/h durchfahren, war es immer noch feucht. Der untere Teil gelang mir ganz gut, obwohl meine Reifen nicht so richtig Grip finden wollten. Im Regal-S fuhr ich dann richtig vorsichtig, wie ich danach in der Datenaufzeichnung feststellen konnte. Dennoch konnte ich eine knappe Bestzeit in 53.255 aufstellen vor David Hauser (Dallara GP2, 53.586), Simone Faggioli (Osella FA30, 53.676), Eric Berguerand (Lola-F3000, 55.137) und Joël Volluz (57.323), der seine erste Fahrt am Berg im Osella FA30 absolvierte.

 

Bis zum 2. Probedurchgang vermochte die Strecke fast ganz abzutrocknen und die Zeiten wurden massiv schneller. Ich konnte mich auf 48.915 steigern und auch die Geschwindigkeit im Regal-S war nun annähernd an der vom letzten Jahr. Faggioli (48.896) war einen Hauch schneller als ich, Hauser, Berguerand, Volluz usw. konnten die 50 Sekunden noch nicht unterbieten.

 

Mit besseren Reifen und kleinen Veränderungen am Fahrwerk rückte ich zum 3. Training aus. Der Osella fühlte sich gleich viel besser an und bot deutlich mehr Grip, doch im schnellen Geschlängel wurde mir die „Oelfahne“ gezeigt und ich ging sicherheitshalber vom Gas. Auf dem Dashboard der internen Zeitmessung im Auto registrierte ich nach der Zieldurchfahrt eine leichte Verbesserung. Auf der Anzeigetafel des Veranstalters stand etwas anderes. Gleich nach der Rückführung wurde ich aber vom Zeitnehmer über den Fehler informiert. Solange dies im Training und nicht in einem Rennlauf passiert, ist es ja nicht so tragisch. Simone fuhr Bestzeit in 48.652, meine offizielle Zeit war 49.942, ansonsten schaffte es niemand unter die 50-Sekundengrenze. Anhand des Wetterberichts sollten diese Zeiten leider wohl wenig Aussagekraft haben, denn für Sonntag war ganz mieses Wetter vorhergesagt.

 

Bereits im Verlauf des Abends fielen die ersten Tropfen, aber nicht der angekündigte Dauerregen. Dies liess für Sonntag hoffen. Als ich aber Sonntagmorgen erwachte, prasselte der Regen doch auf das Dach unseres Teambusses. Dies mischte die Karten für den Renntag neu. Mickhausen ist im Nassen sehr schwierig zu meistern, denn der Asphalt bietet bei Nässe überhaupt keine Haftung.

Wir verpassten dem Osella ein Regen-Setup und stellten ihn auf maximalen Abtrieb. Durch die schwierigen Bedingungen und einigen Ausrutschern verzögerte sich unser 1. Rennlauf bis kurz vor Mittag. Ich sass nicht sonderlich motiviert im Auto bei dem Gedanken an die glatte Fahrbahn.

Normalerweise ist meine Kupplung bei solchen Bedingungen beim Start ein Vorteil. Aber auch meine Räder drehten durch, fast wie bei allen Teilnehmern. Ausgangs der ersten Kurve hatte ich einen schönen kontrollierten Powerdrift, danach war das Auto eher untersteuernd, aber gut beherrschbar. Im Ziel leuchtete für mich eine Zeit von 1.01.831, nun musste ich auf den hinter mir gestarteten Simone Faggioli warten, um zu erfahren, was meine Zeit wert war. Das Erstaunen war gross und die Freude noch viel grösser, als er mir etwas von 1.04 berichtete. Genau war es dann 1.04.609. Bereits auf dem 3. Rang folgte Toni Büeler (1.05.300) mit dem Allrad-Mitsubishi, noch vor zwei Ex-DTM Opel und Eric Berguerand (1.08.678).

 

Da es während dem 2. Rennlauf sehr viele Ausrutscher und Unfälle gab, wurde das Rennen auf bloss zwei Rennläufe verkürzt. Als wir dann nach vier Uhr zur Startaufstellung rollten, zeigte sich die Sonne und im Startbereich trocknete die Strasse recht schnell ab. Aus der Erfahrung vom Freitag wussten wir aber, dass es im Waldbereich ewig nass blieb. Vor dem Start war ich dann doch sehr nervös, denn erstmals hatte ich die reelle Chance, Simone Faggioli zu bezwingen. Mein Start gelang mir gut, doch in der ersten Kurve untersteuerte der Osella sehr stark. Dies zog sich auch in den weiteren Kurvenpassagen durch und ich musste mit dem Auto kämpfen, damit es in die Biegungen einlenkte. Dennoch konnte ich mich um fast 4 Sekunden auf 58.008 steigern. Nach dem Ziel im Warteraum angekommen, parkierte ich meinen Osella, um sofort zur Zeitentafel zurückzulaufen und die Zeit von Faggioli zu erfahren. Es standen schon einige Fahrer da, die mir mit hochgestrecktem Daumen positiv signalisierten. Ich musste es aber selber sehen und konnte es, endlich angekommen, kaum fassen. Auch in diesem Lauf konnte ich Simone nochmals um 1 Sekunde distanzieren und ihm die erste Niederlage nach fast vier Jahren zufügen. Mein Team und ich hatten lange auf diesen Moment hingearbeitet und nun konnte ich den fünffachen Bergeuropameister erstmals schlagen. Dahinter entbrannte ein heisser Kampf um den 3. Platz im Gesamtklassement, den Toni Büeler knapp vor Eric Berguerand entschied.

 

Die letzte Rückführung war trotz des mehrheitlich schlechten Wetters immer noch mit hunderten von Zuschauern und Fans gesäumt. Erst wieder am Start angekommen, wurde mir einigermassen bewusst, welchen Erfolg ich an diesem Tag erzielt hatte. Mein Team nahm mich jubelnd in Empfang. Fotografen, Journalisten und Kameraleute standen schon zum Interview bereit. Danach konnte ich nach 2010 bei der wunderschönen Siegerehrung wieder die oberste Stufe des Podestes in Mickhausen besteigen und nach der Schweizer Nationalhymne die Sektdusche geniessen.

 

Mit diesem Rennen geht schon wieder eine weitere erfolgreiche Saison zu Ende. Mit diesem Resultat konnte ich meine Bilanz 2012 nochmals ein wenig aufbessern und 10 Gesamtsiege feiern und 7 Streckenrekorde herausfahren. Zeit für den Winterschlaf bleibt wohl wenig, denn schon bald beginnen wieder die Vorbereitungen auf die nächste Saison und die Revisionsarbeiten am Osella.

 

Weder die vergangene noch die kommende Saison ist ohne die Unterstützung von Sponsoren, Gönnern, Helfern und Fans möglich. Und auch nicht ohne mein unermüdliches Team. Ich kann mich nur wiederholen und an dieser Stelle nochmals allen Beteiligten ganz herzlich danken. Danken für das Vertrauen und die Unterstützung. Jeder Einzelne ist Teil dieses Erfolges und das macht mich stolz!

 

Auf eine erfolgreiche Zukunft…

Marcel

 

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