Podium vor rekordverdächtiger Zuschauerkulisse












Es war am Freitagvormittag richtig entspannt, nur ca. 20 Kilometer Anreiseweg zum Heimrennen an den Gurnigel zu haben. Mit vereinten Kräften stellten wir unsere zwei Zelte – ein Technikzelt für den LobArt und ein Gästezelt für die geladenen Gäste von Midland – in „Rekordzeit“ auf und auch sonst waren wir schnell eingerichtet. Wie die Jahre zuvor stellte uns Godi Loosli freundlicherweise wieder den perfekten Fahrerlagerplatz zur Verfügung. Mit anderen Fahrern unternahm ich noch einige Fahrten zur Streckenbesichtigung und die Wagenabnahme war auch schnell absolviert. Zum Tagesabschluss hatte der Veranstalter zum Fahrerapéro im neuen VIP-Zelt von Graham Uhren geladen.

 

Samstagfrüh um sieben Uhr begann der Trainingsbetrieb bei herrlichem Spätsommerwetter. Bis zu meinem ersten Start am Hausberg hatten wir aber noch etwas Zeit - gegen 11 Uhr bei schon angenehm warmen Temperaturen war es dann soweit. Der Start bot nicht das gleich hohe Gripniveau wie in Oberhallau, mit erst durchdrehenden Rädern kam ich aber trotzdem nicht schlecht weg. Die Abstimmung vom LobArt wollte aber noch nicht so richtig zur Strecke vom Gurnigel passen. Zudem wurde ich Mittelteil von gelben Flaggen und einem gestrandeten Konkurrenten behindert. Mein selber gestecktes Ziel, eine Zeit um 1.50 zu fahren, verfehlte ich deshalb um 5 Sekunden. Dieser 1. Trainingslauf harzte in unserem ganzen Feld und auch andere Fahrer wurden behindert. Somit war eine aussagekräftige Reihenfolge schwierig zu erstellen. Bestzeit stellte erwartungsgemäss und ohne Behinderung Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.47.38) vor Simon Hugentobler (Raynard-F3000, 1.50.44) auf.

 

Für das 2. Training wechselten wir auf eine andere Reifenmischung und verstellten den Stabilisator. Das Auto fühlte sich dadurch etwas besser an und ich erreichte das Gurnigelbad in genau 1.49. Dies reichte zum 3. Zwischenrang hinter Eric (1.46.47) und Simon (1.47.93). Leider wurden wieder einige Fahrer behindert und es konnten keine genauen Rückschlüsse über das Kräfteverhältnis geschlossen werden.

 

Wieder zurück auf der härteren Reifenmischung versuchte ich mein Glück im 3. Probelauf: Der LobArt wollte mir einfach nicht so richtig gehorchen, wodurch die Steigerung um 0.22 sec nur gering ausfiel. Unter der 1.50-er Marke blieben an diesem Tag mit mir nur noch Berguerand (1.44.04) und Hugentobler (1.48.77).

 

Nach Trainingsschluss entschieden wir uns abermals die Differentialsperre auszubauen und es mit einer anderen Einstellung zu versehen. Diese konnte ich am Sonntagmorgen im „Warm-Up“ nochmals ausprobieren. Das Auto fühlte sich ein wenig besser an, wobei ich immer noch nicht das richtige Vertrauen dazu aufbauen konnte. In 1.48.32 konnte ich aber wieder eine leichte Verbesserung realisieren und war mit Simon Hugentobler (1.48.96) auf gleicher Höhe, wobei Eric Berguerand (1.43.53) enteilt war. Hinter mir zeichnete sich langsam ein Kampf zwischen Thomas Amweg (Dallara F3, 1.52.79), Martin Kindler (Dallara/Nissan, 1.53.68) und Christian Balmer (Formula Master, 1.54.41) ab.

 

Für die Rennläufe am Hausberg hatte ich neue Reifen gespart. Die meisten anderen hatten aber denselben Plan – für Berguerand war die Trainingsbestzeit gar einen neuen Satz wert! Bereits am Start fühlte ich das Plus an Bodenhaftung und auch das Einlenken in die erste Kurve war ein neues Gefühl. Dies gab ein besseres Vertrauen, motivierte zum Attackieren und vor den tausenden von Zuschauern eine gute Leistung zu zeigen. Es war ein viel besserer Fluss in meiner ganzen Fahrt, was sich auf der Uhr in 1.46.23 auswirkte. Vor der Zielkurve hatte ich allerdings beim Anbremsen noch einen leichten Quersteher, wobei der „Big Moment“ erst nach dem Passieren der Ziellinie kam: Direkt nach der Zieldurchfahrt wollte ich den LobArt abbremsen, wobei auf der Kuppe schlagartig das Heck ausbrach und ich das Auto nur mit Mühe wieder abfangen konnte, um hinter dem Restaurant Gurnigelbad in die Wagenkolonne zu fahren. Simon Hugentobler zeigte anschliessend Nerven, beschädigte sich an seinem Renner aber den Frontflügel – schade, denn es wäre ein interessanter Fight geworden! Eric Berguerand musste seinen bereits gestarteten Lauf nochmals wiederholen, stellte in 1.43.33 dennoch souverän die Bestzeit auf. Unter Thomas Amweg (1.49.94) und Christian Balmer (1.49.95) tobte der Kampf um den letzten Podiumsplatz.

 

Der 2. Rennlauf zog sich (trotz eingehaltenem Zeitplan) leider viel zu lange in die frühen Abendstunden hinein. Erst kurz vor 18 Uhr konnten wir ein letztes Mal in den Vorstartbereich vorziehen. Die Sonne stand schon tief und erfahrungsgemäss lässt der Gurnigel am Sonntagabend keine Topzeiten mehr zu. Mein Start war nicht mehr ganz so gut, dafür hatte ich auf der restlichen Strecke ein gutes Gefühl –in 1.46.55 konnte ich meine Zeit fast bestätigen. Eric wurde um denselben Faktor langsamer (1.43.54), sicherte sich aber locker den Tagessieg vor mir und Thomas (1.50.11) erkämpfte sich den verbliebenen Podestplatz knapp vor Christian (1.50.53).

 

Vielen Dank an die vielen Zuschauer, die dieses Rennen immer wieder zu einem speziellen Anlass machen und die Fahrer zu Höchstleistungen motivieren. So macht Bergrennsport richtig Spass! Wir können uns jetzt aber nicht auf den Lorbeeren ausruhen - der Schweizer Bergmeister der Rennsportfahrzeuge 2016 steht mit Eric Berguerand zwar fest (herzliche Gratulation!), am kommenden Wochenende (17.-18. September 2016) findet aber noch das Finale zur Meisterschaft von Chatel-St-Denis nach Les Paccots statt. Bei diesem Rennen wollen wir den LobArt nochmals weiterentwickeln und ich meinen Vizetitel in trockene Tücher bringen.

 

Bis dahin wünsche ich euch eine gute Woche!

Marcel

Ranglisten
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⇒Zwischenstand Schweizer Meisterschaft