Durststrecke beendet











 

Für diesen Bericht würde es noch viele andere Titel geben. Aber alles Mal der Reihe nach…

 

Bereits im 2. Rennenlauf in Eschdorf Anfang Mai konnte ich das Potenzial des modifizierten LobArt/Mugen einigermassen spüren. Danach legten wir am 26. Mai in Bresse/F noch einen Testtag ein. Bei diesem arbeiteten wir ein recht gutes Basis-Setup aus und ich konnte mich weiter mit dem Rennwagen anfreunden. Insgesamt spulte ich fast 100 Kilometer bei 30°C Luft- und bis zu 55°C Asphalttemperatur ab. Dies waren nicht gerade optimale Bedingungen für schnelle Rundenzeiten. Dennoch konnten wir einen deutlichen Fortschritt gegenüber dem Vorjahr feststellen.

 

Der grosse Dämpfer kam auf dem Heimweg. An unserem Teambus, der uns seit Jahren treu und zuverlässig zu den Rennen und wieder nach Hause bringt, begann die Kupplung zu schleifen, also musste schnell eine Lösung für die Reparatur gefunden werden. Pfingsten stand vor der Tür und für den Auftakt zur Schweizer Bergmeisterschaft in Hemberg eine Woche nach den Feiertagen, musste der Bus wieder rollen. Dies konnte mit dem Werkstattteam der Sommer AG in Grünen realisiert werden und der Bus war am Dienstagabend vor dem Rennen wieder voll funktionstüchtig zurück. Vielen Dank an die fleissigen Männer!

 

Nachdem all unser Material wieder eingeladen und die Hebebühne montiert war, konnten wir planmässig am Donnerstagabend nach Hemberg reisen. Den Fahrerlagerplatz hatten wir traditionell bei der Garage Keller.

Da wir den Rennwagen jeweils in die Halle von Theo Keller stellen dürfen, waren wir am Freitag rasch fertig mit Einrichten. Mit Streckenbesichtigung, Wagenabnahme und einigen Gesprächen war der Tag dann auch schnell rum.

 

Der 1. Trainingslauf war laut Zeitplan kurz nach 9 Uhr angesetzt. Durch diverse Zwischenfälle fand dieser leider mit ca. 45 Minuten Verspätung statt. Ich rückte mit Reifen aus, die mehr als die Hälfte der Testarbeit in Bresse geleistet hatten. Nach einem „zügigen Besichtigungslauf“ blieb die Uhr im Ziel bei 57.06 stehen. So schnell war ich in einem Training am Hemberg noch überhaupt nie. Einzig Eric Berguerand (Lola-F3000, 56.69) war einen Hauch schneller und Christian Balmer (Formula Master, 59.25) konnte die Einminuten-Schallmauer noch durchbrechen.

 

Mit gleichem Setup aber besseren Reifen startete ich zum 2. Probelauf. Der bessere Grip war deutlich zu spüren, was sich in 55.84 auch deutlich in der Laufzeit zeigte. Den Rückstand zu Eric (55.65) konnte ich ziemlich genau halbieren.

 

Danach begann leider das lange Warten. Nach Verzögerungen der Flugshows und Showfahrten folgte etwa 300 Meter nach dem Ziel der Unfall von Ex- Top Gear-Moderator Richard Hammond. Der Rimac Concept One überschlug sich mehrmals den Hang hinunter und ging in Flammen auf. Hammond konnte mit Hilfe der Streckenposten mit gebrochenem Knie geborgen werden. Danach war nicht ganz klar, ob das Training weitergeführt würde oder nicht. Plötzlich kam die Anweisung, sofort zur Aufstellung für die Hinführung zum Start vorzuziehen. Da warteten wir nochmals fast eine Stunde. Kurz vor sechs Uhr konnten wir dann doch Richtung Start zu unserem 3. Trainingslauf (von vier geplanten) rollen. Tendenziell wurden die Zeiten eher langsamer, somit kam ich mit 56.30 Berguerand (56.20) wieder ein Stückchen näher. Dies war eine sehr spannende Ausganslage für den Renntag.

 

Am Sonntag lief dann der Rennbetrieb sehr speditiv und wir mussten zeitig vorziehen. Bei der Wetterprognose mit den heissen Temperaturen für den Nachmittag waren die Bedingungen am Vormittag noch ideal. Deswegen ärgerte ich mich, dass ich die erste Kurve nicht wie gewünscht erwischte und da schon Zeit liegen liess. Der Rest des Laufes verlief aber gut und im Ziel leuchtete 54.62 auf der Anzeigetafel für mich. Der Gedanke daran, was wohl Eric Berguerand hinter mir noch alles auspacken konnte, machte mich nach meinem „Missgeschick“ doch etwas nervös. Als dieser bloss 56.11 realisierte, waren wir etwas verwirrt, aber auch sehr glücklich und stolz, gleich beim ersten Meisterschaftslauf das Klassement anführen zu können.

 

Mit leichten Änderungen am Fahrwerk und Heckflügel ging es in den 2. Wertungslauf. Bei diesem legte ich wohl den schlechtesten Start seit langem hin. Die erste Kurve gelang nun gut und auch den Rest ging ich recht aggressiv an. Somit konnte ich meine Zeit von 54.69 bestätigen. Nun wartete ich wieder auf Eric. Hatte er einen Fahrfehler im vorigen Lauf? 56.32 wurde für ihn gemeldet und somit konnte er sich nicht steigern. Dies bedeutete für mich eine klare Führung in der Addition von 3.12 Sekunden. Auf dem 3. Platz etablierte sich Simon Hugentobler (Raynard-F3000, 57.01/58.08).

 

Bei immer heisseren Temperaturen und nicht mehr optimalen Bedingungen legte ich im abschliessenden 3. und letzten Rennlauf einen Sicherheitslauf ein. Die 55.96 reichten zwar zur Laufbestzeit, waren aber irrelevant, da nur die zwei besten Zeiten zur Wertung zählten.

 

Somit konnte ich nach fast vier Jahren endlich wieder einen Gesamtsieg mit meinem Team feiern. Und dies mit dem von der ersten Schraube an selbstaufgebauten LobArt/Mugen LA01. Ein emotionaler Erfolg! Dabei möchte ich mich bei allen Leuten, die an mich und dieses Projekt glauben und unterstützen, von ganzem Herzen bedanken! Einen ganz besonderen Dank gilt an dieser Stelle meinem Vater Heinz, der sich, seit der LobArt aus den „Winterferien“ von Bologna zurück ist, um viele Arbeiten gekümmert hat, mich bei allem unterstützte und auch bei der Reparatur des Buses immer voll mitwirkte! Vielen Dank an alle!

 

In drei Wochen (2. Juli) steht das nächste Rennen in Reitnau auf dem Programm. Ich hoffe nun, dass unsere gute Performance anhält und ich weiterhin gute Resultate erzielen kann.

 

Bis bald…

Marcel

 

 

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