Sieg über dem Lokalmatador














In den drei Wochen zwischen Reitnau und Anzère liefen die Weiterentwicklungsmaschinen wieder auf Hochtouren. Der LobArt/Mugen bekam wiederum ein neues Gesicht und einige nicht offensichtliche Modifikationen.

 

Ich hatte am Freitag noch diverse Arbeiten in der Werkstatt zu verrichten, daher reiste am Donnerstag ein kleines Vordetachement in Form meines Vaters und Peter Sägesser nach Anzère. Als ich Freitag gegen 16 Uhr im Fahrerlager ankam, war alles bestens vorbereitet. Vielen Dank den Beiden! Ich erledigte die Papierabnahme und als ich zurückkahm, stand der technische Kommissar auch schon vor dem Zelt. Alles erledigt im Eiltempo. Danach konnte ich mich der Streckenbesichtigung widmen und die letzten Neuteile wurden am Rennwagen angeschraubt.

 

Nach heftigem Regen durch die Nacht war erstaunlicherweise die Strasse am Morgen bereits wieder trocken. Leider war ich ein par Minuten zu spät, um noch einmal kurz die Strecke besichtigen zu können. Dafür hatte ich genügend Zeit, um eine schöne Runde zu joggen…

In den Gruppen vor uns ereignete sich bereits im 1. Training wieder ein heftiger Unfall, daher verzögerte sich unser Start etwas. Als es dann soweit war, stand ich mit gemischten Gefühlen am Start. Letztes Jahr war die Strassenlage des LobArt auf dieser Strecke dermassen schlecht, dass ich mit viel Respekt losfuhr. Der Start gelang sehr gut und auch in den ersten Kurven verhielt sich das Auto positiv. Ab Mitte der Strecke, auf dem holprigen Abschnitt, wurde es dann aber massiv schlechter und der Wagen sprang über die Bodenwellen. 1.35.682 leuchtete auf der Anzeigetafel im Ziel. Dies war gegenüber dem Vorjahr eine solide Basis und Eric Berguerand (Lola-F3000, 1.34.565) war nicht weit weg. Sonst schaffte es kein Teilnehmer unter 1.40.

Wir passten die Bodenfreiheit des LobArts etwas an und so ging es kurz nach dem Mittag zum 2. Probelauf. Das Feeling im Auto besserte sich bereits massiv. Leider bekam ich in der Anfahrt zur letzten Spitzkehre die gelbe Flagge gezeigt und ich musste meine Fahrt verlangsamen. Mit 1.36.429 war ich aber nur unwesentlich langsamer, womit unser Set Up in die richtige Richtung zeigte. Eric wurde auch 0.3 sec langsamer und Simon Hugentobler (Raynard-F3000, 1.38.799) steigerte sich um fast 5 sec.

Wegen diverser Verzögerungen durch Unfälle und technischer Defekte wurde unser 3. Trainingslauf auf Sonntagmorgen verschoben. Dadurch war fahrerisch früh Feierabend und wir konnten uns um das Auto kümmern. Weil bei mir keine grossen Arbeiten anstanden, konnte sich mein Team noch um einige Probleme an anderen Autos kümmern, damit diese das Rennen wieder aufnehmen konnten.

 

Neuer Tag, neue Getriebeübersetzung, neue Motivation. So startete ich am Sonntagmorgen zum 3. Trainingslauf. Wegen Nebels mussten wir uns aber noch etwas in Geduld üben. Bereits in den ersten beiden Kurven spürte ich den positiven Effekt unserer kleinen Änderungen an der Abstimmung und ich konnte viel mehr angreifen. Dies resultierte in einer erfreulichen Zeit von 1.32.561. Durch den Dreher von Robin Faustini (Raynard-F3000) wurde Berguerand in seiner Fahrt behindert und wir konnten so keine Schlüsse auf das Kräfteverhältnis für das Rennen schliessen.

 

Mit neuen Reifen rückte ich zum ersten Rennlauf aus. Weil ich auf diese Saison hin zu Avon zurückwechselte, wusste ich noch nicht genau wie sich der neue Reifen anfühlt. Das höhere Gripniveau war aber bereits am Start und in der ersten Kurve zu spüren. Ich fuhr um einiges schneller und hatte meist immer noch kleine Reserven. In der Senke zur schnellen Links- doppel Rechts- Passage fuhr ich in eine Nebelwand. Ich zog aber mein Renntempo durch. Als ich nahezu optimal zur letzten Spitzkehre einbog, hatte ich den Konkurrenten vor mir eingeholt. Shit! Laufwiederholung… Als die Strecke frei war, wurde ich mit zwei weiteren Teilnehmern zurück an den Start geführt. Meine Reifen waren nun nicht mehr ganz neu und die Konzentration ist nach solchen Zwischenfällen meist auch etwas reduziert. Ich gab aber nochmals mein Bestes, wobei ich im schnellen oberen Teil den 6. Gang nicht einlegen und bis zur „Spiegelkurve“ nicht optimal beschleunigen konnte. Dennoch reichte es zu 1.29.578, was 5 sec schneller war als im Jahr zuvor im gleichen Rennlauf. Eine beachtliche Steigerung und Weiterentwicklung des LobArt/Mugen. Eric Berguerand konnte ich um 0.7 sec hinter mir halten. Den Rest des Feldes, angeführt von Simon Hugentobler und Robin Faustini, distanzierte sich um 6.5 sec und mehr.

Der 2. Rennlauf kurz nach dem Mittag bietet erfahrungsgemäss nicht die optimalen Bedingungen für schnelle Zeiten. Das Auto fühlte sich auch ganz anders an als zuvor. Von meiner 1.31.450 war ich schon etwas angefressen, aber nicht sonderlich erstaunt. Eric erreichte 1.31.180 und Robin (1.36.421) schlug seinen Vater Simon (1.37.616).

Auf den 3. und entscheidenden Wertungslauf der nach 18.00 stattfand, zog ich die Reifen mit dem Heissluftföhn ab, um optimalen Grip zu generieren. Ich wollte und musste nochmals eine gute Zeit den Berg hinauf bringen, um meine Siegeschancen zu wahren. Dies versuchte ich von den ersten Metern an, doch merkte ich bald, dass ich nicht mehr den Grip vom Morgen hatte. Das Auto stand manchmal ziemlich quer und war nahe am Dreher. 1.30.343 war akzeptabel. Nun begann wiedermal das Warten auf Eric. Auf dem Handy verfolgten Mechaniker Stefan Etter und ich gespannt die Zeiten der ankommenden Teilnehmer. Dann endlich die Zieldurchfahrt von Eric (1.30.215) und die Gewissheit vom 2. Gesamtsieg 2017 mit dem LobArt/Mugen. Das Podium vervollständigte der 19-jährige Robin Faustini, der seinen Vater auf den 4. Gesamtrang verdrängte. Gratulation an beide!

 

Dieser Sieg war sehr wichtig für die Meisterschaft, aber auch für den anwesenden Stefano Lobartolo von LobArt, mein hervorragend arbeitendes Team und auch für mich als Bestätigung, dass wir uns mit der Entwicklung des Autos auf dem richtigen Weg befinden.

 

Als nächstes werden wir einen Abstecher nach Deutschland zum Osnabrücker Bergrennen (05.-06. August) machen, bevor es in der Schweiz beim Bergeuropa Meisterschaftslauf in St-Ursanne – Les Rangiers (19.-20. August) wieder um Punkte zur Schweizer Bergmeisterschaft geht.

 

Bis bald…

Marcel

 

Ranglisten
⇒Gesamtergebnis Rennen 2017
⇒Klassenergebnis Rennen 2017
⇒Klassenergebnis Training 2017
⇒Schweizer Meisterschaft 2017
Video Anzère 2017